Russland Nord – Gruppe 2 – 2018 – Etappe 5

Blauer Himmel, klare Luft und kühle Flüsse

Liebe Freunde des Nord-Ostens!

Blauer Himmel, klare frische Luft und kühle Flüsse und Seen – das ist für uns Nordrussland, wie wir es auch heute erleben durften….

…als wir bei Belomorsk an der Schleuse 16 anlegten.

Der hier für die Schiffbarkeit und für Wasserkraft angestaute Fluss Vyk

ist für die Einheimischen auch Wasserspender.

Nach dem Meeting an der überdachten Laube

gab es wieder eine Überraschung vom Team:

Um zu zeigen, dass Russland außer Wodka noch richtig leckere Liköre und Mischgetränke zu bieten hat, wurde eine Verkostung derselben angeboten.

Dazu reichten wir einen einfachen Imbiss aus Hering, gekochten Kartoffeln, Knoblauch, Zwiebeln und Kräutern.

Mit so viel Appetit versehen konnte man noch lange bis in die Nacht im Freien tafeln……

… denn so richtig dunkel wurde es so hoch im Norden auch vor dem Polarkreis schon nicht mehr.

Anderntags machten wir uns auf und bestiegen schon am Morgen einen Katamaran

namens Saphir.

Ruhig glitt er über die hier breite Wasserstraße des Weißmeerkanals dahin…

… und ließ auch noch eine der Schleusen hinter sich…

bis er an Belomorsk vorbei aufs Weiße Meer hinaus tuckerte.

Der Souvenirladen an Bord machte schon neugierig darauf, was uns erwartet…

…und dann kam Solowki vom gleichnamigen Inselarchipel auch langsam in Sicht.

Geruhsam lässt man es hier angehen.

Zu Fuß spazieren wir die staubige Straße hin zum berühmten Kloster.

Geradezu wie auf Illustrationen aus einem Märchenbuch sehen die dicken Mauern aus.

Die wechselhafte Geschichte des Ortes wird uns von einer deutschsprachigen Führerin nahegebracht

Felix Ackermann (solovki.org) hält ihn für einen „mythisch aufgeladenen Ort, der im kulturellen Gedächtnis Russlands fest verankert ist. Der Traum vom Heiligen Russland, die Eroberung und Zivilisierung des russischen Nordens, die Expansion Peters des Großen hin zum Meer, die Zerstörung des Geistlichen, die Errichtung eines “russischen Auschwitz” (Solschenizyn, Archipel Gulag), die bolschewistische Vision vom Sieg über Gott, die Wiederauferstehung der Orthodoxen Kirche nach dem Zerfall des sowjetischen Reiches, die Rückkehr des Gedächtnisses – all das konzentriert sich im Bild von Solowki, das geprägt ist von der Silhouette der Zwiebeltürme und Wehrmauern“.

Die finsteren Kerker stehen im Kontrast zu leuchtenden Blumen und jungen gläubigen Menschen, die sie in freiwilliger Arbeit gießen.

Wir überlassen den Ort wieder den Mönchen und Pilgern.

Zurück auf dem Schiff können wir noch ein wenig Fußball schauen, bis das Signal so schwach wird, wie die Leistung unserer deutschen Nationalelf.

Als beruhigendes Kontrastprogramm bietet sich jedoch an Bord ein kaum enden wollender romantischer Sonnenuntergang.

Ja, untergehen kann auch schön sein….

Auch am nächsten Morgen sind wir wieder unterwegs um untergegangene Werte zu bewundern.

Es handelt sich dabei um sogenannte Petroglyphen, Gravuren im Stein, die spät steinzeitliche Jäger im Neolithikum, d.h. vor ca. 6000-7000 Jahren, hinterlassen haben sollen.

Der Grund, wofür diese Zeichnungen entstanden sind, ist nicht ganz klar, vermutlich handelt es sich in diesem Zusammenhang um gesellschaftliche und rituell-spirituelle Handlungen.

Wir sind jedenfalls fasziniert, was sich alles aus den Motiven herauslesen lässt.

Abgesehen davon hat der Ort auch einen rein landschaftlich-magischen Reiz.

Zuletzt präsentierte Andrej den Nachbau einer steinzeitlichen Axt.

Dann unternahmen einige mit dem örtlichen Führer und mir das Wagnis, durch den Urwald…

…und durch das alte Flussbett des Vyg …

…vorbei an alten Holzhäusern des Ortes zurückzuwandern.

Nach dem Meeting wieder eine Überraschung:

Jeder, der wollte, durfte unter Anleitung einen der leckeren russischen Salate mit herstellen, …

…die nach dem Info-Abend mit Tee aus dem Samowar gemeinsam probiert werden konnten.

Zu behaupten, dass wir immer nur schönes Wetter gehabt hätten, wäre gelogen. Aber wie hier auf dem Weg nach Kandalakscha …

wurde es im entscheidenden Moment wieder gut, zum Beispiel beim Passieren des Polarkreises.

Schon bald melden wir uns wieder vom äußersten Zipfel des Weißen Meeres – der Kandalakschabucht, die Kola zu einer Halbinsel macht.

Schaut also wieder rein!