Oman – Überwintern im Orient 2019/20 – Etappe 15

Quer durch Saudi-Arabien: Die Wüste steckt voller Kultur 

Liebe Reisefreundinnen und Reisefreunde, liebe Leserinnen und Leser,

wir erkunden Saudi-Arabien weiter – ganz tief drinnen, jenseits medialer Berichterstattung und den Bildern in unseren Köpfen. In dieser Etappe besuchen wir zwei enorm bedeutende Orte für die Geschichte und Kultur des gesamten Nahen Ostens: Die Lehmstadt Ushaiqir und die Petroglyphen von Jubbah.

Wir erreichen das in der Al Waschim-Ebene, 200 Kilometer nördlich von Riad, gelegene Ushaiqir. Das nur vier Quadratkilometer kleine und mitten in der Wüste gelegene Städtchen ist komplett aus Lehm gebaut. Erst 2018 wurden die historischen Gebäude in Ushaiqir von der Regierung als offizielle Denkmäler registriert. 

Die im 16. Jahrhundert erbaute Stadt war 200 Jahre lang ein bedeutendes religiöses Zentrum, bis im 18. Jahrhundert der wahhabitische Einfluss zunahm und Gelehrte anderer Denkschulen den Ort verließen. Zu seiner Blütezeit umfasste Ushaiqir etwa 400 Häuser, 25 Moscheen, 600 Obstgärten und 80 zum Teil Jahrhunderte alte Brunnen. Heute besteht ein Teil der Stadt aus Ruinen, ein Teil wurde restauriert.

In der Hochsaison sind hier viele einheimische Touristinnen und Touristen unterwegs. In verhältnismäßiger Nachbarschaft zu Riad ist die Stadt einer der beliebtesten und meistbesuchten Orte in der Region. Neben den Moscheen und Museen gibt es zahlreiche Restaurants und Teestuben, in denen man gemütlich Zeit verbringen kann. Bei unserem Besuch ist es sehr ruhig, es sind nicht viele Menschen unterwegs.

Ushaiqirs Architektur ist an die Wüstenbedingungen geradezu perfekt angepasst. Durch die labyrinthartigen, schmalen Gassen mit zahlreichen schattenspendenden Gebäuden und Ecken lässt es sich auch bei Hitze angenehm spazieren. Bereits im 16. Jahrhundert gab es ein Kanalsystem, das jedes Haus mit Wasser aus der Oase versorgte. Damit das Wasser kühl blieb, wurde es in speziellen „Kühlschränken“ aus Lehm und Palmenblättern aufbewahrt. Auch die Wahl der Lage war kein Zufall: Der Hügel, an den die Stadt gebaut ist, schützt vor Wind und Sandstürmen. 

Neu zur damaligen Zeit war die Trennung zwischen Erdgeschoss und einem zweiten Geschoss darüber. Die Trennschicht wurde wie die Kühlschränke aus einer Mischung aus Lehmziegeln und Palmenblättern gebaut.

Dekorierte Tür von einem der typischen Lehmziegelhäuser.

 Ein Fahrzeug, das gut zu dieser besonderen Atmosphäre passt.

Hinter dem Städtchen auf dem Hügel hat die Regierung einen großen Park errichten lassen.

Hier verbringen wir eine Nacht und schauen uns am Abend einen Film über die Kulturstätten Saudi-Arabiens an.

Etwa auf halber Strecke zwischen Rotem Meer im Westen und dem Arabischen Golf im Osten befindet sich Buraida, die Hauptstadt der Provinz Qasim. Dort gibt es einen der größten Tiermärkte der Welt. Auf dem riesigen Gelände haben wir keine Schwierigkeiten einen Platz für alle Womos zu finden. An diesem Tag werden hauptsächlich Kamele und Ziegen aus verschiedenen Regionen des Landes versteigert.

Da wir die erste Wohnmobilreisegruppe sind, die den Markt besuchen, haben die Einheimischen ein genauso großes Interesse an uns und unseren Fahrzeugen wie wir an den Tierauktionen. Das Marktmanagement lädt uns zum Teetrinken ein. Die Zeremonie ist gemütlich und ohne jede Hektik. Lange probieren wir die verschiedensten Leckereien – traditionelle Süßigkeiten und Gebäck – und trinken arabischen Kaffee. Erst später erfahren wir, wer uns da eingeladen hat: Einer der saudischen Prinzen!

Anschließend lädt Ali, unser einheimischer Begleiter, uns alle auf seinen Bauernhof ein, wo er mit seiner Familie wohnt. Er zeigt uns seine Dattelpalmen-Plantage und die Technik, wie das Wasser für den Hof aus 600 Metern Tiefe gewonnen wird. Nach der Kaffeepause erhält jede Familie eine Packung frischer Datteln als Geschenk. Gestärkt und beseelt von so viel Gastfreundschaft fahren wir weiter Richtung Jubbah.

Am späten Nachmittag erreichen wir unseren Stellplatz direkt vor den UNESCO-geschützten Felsformationen von Jubbah. Wir verbringen einen schönen Abend und übernachten unter kristallklarem Himmel.

Am nächsten Morgen sind die ersten von uns schon um 7:00 Uhr wach, um die Felsformationen bei Sonnenaufgang zu fotografieren. Manche beobachten den Sonnenaufgang auch direkt aus dem Wohnmobil.

Die Petroglyphen von Jubbah sind bis zu 9.000 Jahre alt und damit von herausragender kultureller und historischer Bedeutung für den gesamten Nahen Osten. 1879 bemerkte Anne Blunt, Entdeckerin und Tochter von Lord Byron: “Jubbah ist einer der merkwürdigsten Orte der Welt, und meiner Meinung nach auch einer der schönsten.“ Auch im Jahr 2020 können wir das nur bestätigen!   

Wir verlassen diesen beeindruckenden Ort und bewegen uns weiter Richtung Nordwesten. In Al-Ula wollen wir die Ausgrabungsstätte Mada’in Salih besichtigen.

Bis zur nächsten Reportage!
Eure Saudi-Arabien-Abenteurer

Oleg & Alexander

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