Kostya

Über 30 Jahre mit dem Wohnmobil unterwegs

Nach etlichen Reisen durch Europa mit dem eigens umgebauten Wohnmobil entstand 1989 ein Gedanke. Wenn die Gelegenheit, die Sowjetunion zu bereisen kommt, nichts wie hin. Mitten rein in das Geschehen ging es für drei abenteuerliche Jahre. Wir wurden sogar Zeuge des Zerfalls, standen zwischen Panzern und Demonstranten.

Die GUS war entstanden. Ob Russland, Kasachstan, Kirgistan, Georgien usw. Gesagt, getan! Und da einmal gleich keinmal ist, reisten wir immer wieder hin. Ob runter nach Sewastopol, hoch nach Murmansk oder quer rüber nach Wladiwostok – der Osten hatte uns ergriffen.

Auch der Winter war vor uns nicht sicher! Ob der hohe Norden der Kola Peninsula, Jakutsk oder über die gefrorenen Flüsse bis zum Kältepol in Werchojanks, wir wollten alles sehen.

Das Dokumentieren der Reisen war von Anfang an immer eine große Leidenschaft von Kostya. Frei nach der Schule des „Point and Shoot“ wurde viel schnell und locker aus der Hüfte geknipst. Manchmal gehörte aber auch längeres auf der Lauer liegen für das Foto dazu. Man bedenke, dass wir früher noch mit Diafilmrollen fotografierten, immer von der Sorge getragen, dass die Bilder es ja heil nach Hause schafften und dann bei der Entwicklung nicht beschädigt werden.

Mit der digitalen Fotografie ist manches leichter geworden. Durch die Flut der Bilder ist es jetzt allerdings umso wichtiger aussagekräftige Bilder zu schießen, denen man die Leidenschaft ansehen kann.

In dieser Anfangszeit entstand auch der Gedanke die Reisen in der Diaschauszene zu zeigen. Es stellte sich schnell heraus, dass Kostya auch ein begnadeter Vortagsredner ist. Er wurde bald mit seinen Vorträgen zu den verschiedensten Globetrottertreffen und Dia-Festivals eingeladen. Sein Erfolg trug schnell Früchte.

2009 errichtete der Caravan Salon der Messe Düsseldorf das Traumtourenkino, welches bis zum heutigen Tag ein Highlight auf der Messe ist.

Nachdem Kostya den Besuchern seiner Vorträge die „Angst“ vor Russland als Reiseziel nahm, wollten immer mehr Reisemobilisten von ihm wissen, wie sie selbst nach Russland fahren könnten. Als Antwort veröffentlichte Kostya sein erstes Buch „Russland per Reisemobil“, und als Bettlektüre noch „Mobile Begegnungen in Russland“. Eins kam zum anderen, und bald fragte das Reiseunternehmen SeaBridge an, ob Kostya nicht einmal eine Gruppe Wohnmobil-Enthusiasten durch einen Teil von Russland führen möchte. Nach kurzer Überlegung sagte er „Ja“ und startete richtig durch.

So wurde eine erste geführte Reise geplant, vorgestellt und dann selbst abgefahren. Camping-Infrastruktur war damals nicht vorhanden. Außerdem stellte Kostya ein junges, dynamisches Team aus lokalen und vor Ort lebenden Guides zusammen. Zusätzlich geplant vom ersten Tag an: kein Fahren im Konvoi, keine ewigen Wartezeiten beim Tanken oder Einkaufen.

Das Prinzip von SeaBridge „Jeder für sich, aber nicht allein“ passte wie die Faust aufs Auge. Abends werden Route und Stellplatz für den nächsten Tag vorgestellt und dann fährt jeder nach eigenem Gusto: Allein, in kleinen Verbänden oder mit der Tourleitung.

Möchte man einen Tag abseits stehen bleiben oder einen Abstecher machen, ist das auch möglich. 2005 ging es so los mit der ersten geführten Tour durch Russland und die Ukraine.

Mit dem außerordentlichen Erfolg der ersten Touren im europäischen Teil Russlands kam der Blick weiter gen Osten. Viele der begeisterten Mitfahrer wollten auch die Weiten Sibiriens und Mittelasien kennen lernen. Die logische Konsequenz: Die neue Tour hieß Seidenstraße. Das vorherige Abfahren der Strecke war gerade in Ländern wie China nicht umsetzbar. Vieles war reine Pionierstrecke.

Die Route führte quer durch Russland entlang der transsibirischen Eisenbahn und dem riesigen Baikalsee, schließlich weiter bis nach Wladiwostok. Mithilfe einflussreicher Menschen rund um Putin gelang dort die Ausreise nach China. Sechs Wochen im Reich der Mitte waren wie die anschließende Durchquerung der Hochgebirge Kirgistans und Tadschikistans Abenteuer pur. Über das Kaspische Meer durch den Kaukasus und entlang der Schwarzmeerküste gelangte die erste Seidenstraßengruppe nach Istanbul. Diese Reise ist seitdem ein fester Bestandteil unserer Fernreisen. Seit 2009 führt diese Tour auch durch die Mongolei und Persien.

Auch die neueren Seidenstraßentouren waren ein voller Erfolg. Bei so viel Zuspruch juckte es uns in den Fingern auszuprobieren, wie weit wir eigentlich noch kommen und ob jemand überhaupt soweit mit uns mitfahren will. Also wurde wieder geplant, erkundet und erste Ideen vorgestellt. Wenn schon weit, dann muss es richtig weit sein. Und was ist weiter entfernt von uns als – genau – Australien! Auf dem Landweg bis zum Roten Kontinent. Abgefahren! Ungewiss! Teuer! Lange! Anstrengend! Das klang mehr verlockend als abschreckend. Vielen unserer Mitfahrer wollten mit dem eigenen Fahrzeug soweit, wollten noch mehr von Asien erleben, dürsteten nach großen Fahrabenteuern. Die größte angebotene Reisemobiltour war unfassbar schneller ausgebucht.

Also ging es los: Über die Türkei, durch den Kaukasus, Iran, kreuz und quer durch den Subkontinent mit Pakistan, Indien und Bangladesch. Wir bereisten den Himalaya in Nepal, Bhutan und China, querten Myanmar, Laos, Vietnam, Kambodscha, Thailand, Malaysia, Singapur. Per Autofähren arbeiteten wir uns durchs indonesische Archipel bis nach Ost Timor. Jetzt hieß es 10 Tage lang die Wohnmobile putzen – nur total sauber kommt man über das Frachtschiff von Dili ins nordaustralische Darwin. Nach 13 Monaten rollten die Reifen unserer Reisemobile in Down Under. Diese unvergessliche Abenteuerreise ist trotz aller Herausforderungen immer Bestand unseres Angebots geblieben, die Nachfrage stärker denn je.

Was bis jetzt nicht erwähnt wurde, ist natürlich das stetig wachsende Team hinter diesen großen Vorhaben. Sowohl in Deutschland als auch vor Ort an den verschiedenen Destinationen unserer vielen Touren war und ist es dieses Team, das durch etliche Erkundungen und Treffen die aufwendigen Vorbereitungen trifft und die arbeitsintensive Organisation übernimmt. Dazu zählen die enormen Anstrengungen, um mit unseren Wohnmobilen teils gesperrte Länder und Regionen in Thailand, China, Vietnam, Indien, Myanmar oder Singapur befahren zu dürfen.

Mittlerweile bieten wir über 20 verschieden Wohnmobiltouren an, darunter auch Allradtouren. Ob mit einer Einsteigertour im Baltikum, durch die polaren Welten Russlands, durch den Kaukasus und Mittelasien bis zur Überwinterungstour auf der Arabischen Halbinsel mit Saudi-Arabien und dem Sultanat Oman – unser Angebot deckt nach so vielen Jahren den ganzen Wilden Osten ab.