entstehung

Nach etlichen Reisen durch Europa mit dem eigenen (umgebauten) Wohnmobil entstand 1991 ein Gedanke. Wenn die Sowjet-Union ihre Grenzen aufmacht: nichts wie hin, aber dann richtig. Mitten rein in das Geschehen. Ob Russland, Kasachstan, Kirgistan, Georgien usw. Gesagt, getan! Und da einmal gleich keinmal ist, sind wir gleich wieder hin. Ob runter nach Sewastopol, hoch nach Murmansk oder quer rüber nach Wladiwostok – der Osten hatte uns. Auch der Winter war vor uns nicht sicher! Ob der hohe Norden der Kola Peninsula, Jakutsk oder über die gefrorenen Flüsse bis zum Kältepol in Werchojanks, wir wollten alles sehen.

Das Dokumentieren der Reisen war von Anfang an immer eine große Leidenschaft von Kostya. Frei nach der Schule des „Point and Shoot“ wurde viel schnell und locker aus der Hüfte geknipst. Manchmal gehörte aber auch längeres auf der Lauer liegen für das Foto dazu. Man bedenke, dass wir früher noch mit echtem Dia-Film fotografiert haben, immer mit der Sorge, ob die Bilder es heil nachhause schafften und dann in der Entwicklung nicht kaputt gingen. Mit der digitalen Fotografie ist manches leichter geworden. Durch die Flut der Bilder ist es jetzt allerdings umso wichtiger aussagekräftige Bilder zu schießen, denen man die Leidenschaft ansehen kann.

In dieser Anfangszeit entstand auch der Gedanke die Reisen in der Dia Szene zu zeigen. Es stellte sich schnell heraus, dass Kostya auch ein begnadeter Vortagsredner ist und so wurde er mit seinen Vorträgen schnell zu den verschiedensten Dia Festivals eingeladen. Sein Erfolg trug schnell Früchte, so weit, dass innerhalb der Caravan Salon Messe Düsseldorf ein eigens für ihn errichtetes Kino entstand. Bis heute gibt es das Kino, das jedes Jahr ein Highlight auf der Messe ist.

Nachdem Kostya den Besuchern seiner Vorträge die „Angst“ vor Russland als Reiseziel nahm, wollten immer mehr Reisemobilisten von ihm wissen, wie sie selbst nach Russland fahren könnten. Als Antwort veröffentlichte Kostya sein erstes Buch „Russland per Reisemobil“, und als Bettlektüre noch „Mobile Begegnungen in Russland“. Eins kam zum anderen, und bald fragte das Reiseunternehmen SeaBridge an, ob Kostya nicht einmal eine Gruppe Wohnmobil-Enthusiasten durch einen Teil von Russland führen möchte. Nach kurzer Überlegung sagte er „Ja, aber dann richtig“.

So wurde die Reise zuerst auf dem Reisbrett geplant und dann selbst abgefahren, denn eine Camping Infrastruktur war damals nicht vorhanden. Außerdem stellte Kostya ein junges, dynamisches Team aus lokalen und vor Ort lebenden Guides zusammen. Zusätzlich geplant: kein Fahren im Konvoi, keine dauernden Wartezeiten beim Tanken oder Souvenirs kaufen. Nein, „Jeder für sich, aber nicht allein“. Abends werden Route und Stellplatz für den nächsten Tag vorgestellt und dann fährt jeder wie er/sie möchte. Ob allein, in kleinen Gruppen oder mit der Tour Leitung. Möchte man einen Tag abseits stehen bleiben oder einen Schwenk machen, ist das auch möglich. 2006 ging es so los mit der ersten Russland-Ukraine Tour.

Mit dem Erfolg der ersten paar Touren in Russland war klar, dass etwas Größeres hermusste, um die Anfrage zu bedienen. Viele von den begeisterten Mitfahrern wollten auch die Weiten Sibiriens und Mittelasien kennen lernen, trauten sich aber nicht allein auf diese Touren. Also, wieder ran ans Reisbrett. Die logische Konsequenz für die nächste Tour waren China und die alte Seidenstraße. Das vorherige Abfahren der Strecke war hier unpraktisch, und so würde die erste Reise eine Pilot Tour werden. Es ging quer durch Russland mit Stopp auf der Insel Olchon im Baikalsee, wieder bis nach Wladiwostok, runter nach China, über das Kaspische Meer durch den Kaukasus und entlang der Schwarzmeerküste. Nach sechs Monaten war die Gruppe in Istanbul. Diese Reise ist immer noch ein Bestand unseres Reiseangebots, nur dass heute auch der Iran befahren wird.

Auch die Seidenstraße-Touren waren ein voller Erfolg, und so juckte es uns in den Fingern auszuprobieren, wie weit wir eigentlich noch kommen und ob jemand so weit mit uns mitfahren will. Also wurde wieder geplant und eigentlich war klar: wenn schon weit, dann richtig weit. Und was ist weiter entfernt von uns als – genau – Australien! Und auch viele unserer Mitfahrer wollten noch weiter, noch mehr von Asien erleben, und zwar im eigenen Wohnmobil. Sobald wir nur die erste Andeutung dieser neuen Pilottour machten, war sie schon ausverkauft.
Also ging es los: über die Türkei, durch den Kaukasus, Iran, kreuz und quer durch den indischen Subkontinent durch Bangladesch und Butan, Myanmar, Singapur und der indonesische Archipel bis nach Ost Timor. Hier hieß es dann neun Tage am Stück Autos putzen – nur komplett staubfrei kommt man nach Australien rein. Und nach 13 Monaten war die Gruppe tatsächlich in Perth. Diese Reise ist immer noch Bestand unserer Reisen.  Wir bieten sie mit und ohne Indien an.

Was bis jetzt nicht erwähnt wurde, ist natürlich das stetig wachsende Team hinter diesen großen Vorhaben. Sowohl in Deutschland als auch vor Ort an den verschiedenen Stationen unserer vielen Touren war und ist es dieses Team, das durch etliche Erkundungen und Treffen die aufwendigen Vorbereitungen trifft und die arbeitsintensive Organisation übernimmt. Dazu zählen die enormen Anstrengungen, um mit unseren Wohnmobilen teils gesperrte Gebiete wie Thailand, China, Indien, Myanmar oder Singapur befahren zu dürfen.
Mittlerweile bieten wir über 20 verschieden Wohnmobiltouren an, darunter auch Allradtouren. Ob mit einer Einsteiger Tour im Baltikum, Kaukasus Pur, Mittelasien und seiner mongolischen Steppe hin bis zum Überwintern auf der Arabischen Halbinsel – unser Angebot deckt nach so vielen Jahren den ganzen „wilden“ Osten ab.